TransAction-Rede: Pride muss politisch bleiben

Wer mich nicht kennt, ich bin Payton und rede hier heute für die Gruppe TransAction Dortmund.
Und ich rede heute hier, weil ich keinen Bock habe!

Ich habe keinen Bock, weil es immer wieder viel Arbeit bedeutet mich Leuten vorzustellen, die nicht viel Ahnung von trans nicht-binären Menschen haben.

Ich habe keinen Bock, weil ich immer öfter merke, dass viele Probleme die ich mit meiner Identiät habe daher stammen, dass ich teilweise Queer-Feindlichkeit von der Gesellschaft erlernt und verinnerlicht habe.

Ich habe keinen Bock mehr, weil ich oft das Gefühl bekomme, dass im Kampf gegen Transfeindlichkeit meine Freund*innen und ich oft alleine da stehen!

Hier in Deutschland läuft noch nicht alles perfekt. Sei es das Verbot der Blutspende gegenüber Männern die mit Männern Sex haben, oder die oft mals nicht ausreichende Aufklärung in den Schulen, oder auch einfach der Fakt, dass das transfeindliche Transsexuellen-Gesetz noch immer nicht abgeschaft wurde.

Klar, wir habe Gründe zum Feiern! Der Paragraph 175 wurde abgeschafft, wir sehen immer mehr queere Politiker*innen und die Ehe für alle wurde ja auch verabschiedet.

Dabei vergessen wir nur oft, dass die Menschen, die durch den §175 verurteilt wurden noch immer nicht richtig entschädigt worden sind, dass queere Politiker*innen immer öfter Opfer von rechter Hetze und Gewalt werden, oder aber dass, wenn ich morgen die Liebe meines Lebens heiraten wollen würde, ich das nur unter meinem Deadname machen könnte.

Ein CSD ist ein guter Tag um sich mit Freund*innen zu treffen, die man lange nicht mehr gesehen hat. Es ist ein guter Tag mal mit Gleichgesinnten sich zu umgeben und mal etwas entspannen zu können. Und ja, der CSD ist auch immer ein guter Tag mal zu feiern. Ich habe natürlich auch nie etwas gegen Glitzer, Lauter Musik und ein paar Getränke.

Aber der CSD ist immer der perfekte Tag um mal sich bei anderen queeren Personen umzuhören.  Auch um mal zuzuhören, was die Probleme unsere Community sind. Der CSD ist der Tag an dem wir als eine gemeinsame Community auf die Straße gehen können und eine Verbesserung unserer Leben fordern können. Es ist der Tag, an dem wir eine Befreiung von Queer-Feindlichkeit erkämpfen können!

Wir sind heute hier um darauf aufmerksam zu machen, dass unsere Identitäten nichts privates sind, sonder auch etwas politisches!
Wir sind hier um uns zu vernetzen und uns klar zu machen, wo wir stehen und was wir brauchen.
Wir sind hier um klar zu machen, dass unsere Themen keine sind, die Parteien mal aufheben können wenn es ihnen gerade passt, um sie dann wieder fallen zu lassen, wenn wir nicht mehr interessant sind.

Der CSD ist und bleibt politisch! Auch wenn man in den letzten Jahren oft das Gefühl bekam, dass das nachlässt.

Es gibt viele Gruppen die sich gegründet haben um unabhängig von Parteien oder Konzernen für unsere Rechte einzustehen. Auch TransAction Dortmund ist daraus entstanden. Wir bemerkten, dass es zwar viel Angebot zur Beratung oder Vernetzung von und für trans Menschen gibt; aber es gibt kaum Gruppen die zum Beispiel wegen der Abstimmung über das TSG eine Demo veranstalten. Wir wollen unsere Stimme auf die Straße und in die Öffentlichkeit tragen. Denn seien es Wahlen, oder die Finanzierung von Aufklärungs und Beratungsstellen, oder auch ein direkter Angriff auf unsere Rechte und Freiheiten, Wir haben keinen Bock mehr zu schweigen!
Wir haben keinen Bock nicht mitgedacht zu werden.

Und wir haben keinen Bock auf Queer-Feindlichkeit von Partein, Gesetzen oder Institutionen!

Für die Freiheit, Für das Leben, Selbstbestimmung muss es geben!