TransAction Rede – Trans Day of Rememberance

Trigger Warnung: In dieser Rede geht es um Tod und Transfeindlichkeit.

Es gab bis jetzt kaum eine Rede, die schwieriger für mich zu schreiben war, als diese Rede für den heutigen Tag. Denn auf der einen Seite bin ich wütend und möchte eine kämpferische Rede halten, um uns hoffentlich eine laute und starke Stimme zu verschaffen. Auf der anderen Seite habe ich nicht das Gefühl, dass heute der richtige Tag dafür sei.

Heute ist ein Tag an dem wir zusammenstehen und gemeinsam trauern wollen.
Wir trauern heute um alle Opfern von Trans-Feindlichkeit; Um alle Brüder, Schwestern und Geschwistern die von uns gegangen sind, und um alle, die wegen ihrer Identität Gewalt erfahren haben.

Wir trauern heute um jene, die durch rechte und faschistische Gewalt und Terror verletzt oder getötet wurden.
Ich möchte an Dora Richter erinnern, welche ich auf unserer ersten Demo erwähnt habe. Sie ist die erste namentlich erwähnte trans Frau welche geschlechtsangleichende Operationen bekam. Ihr Tod ist nicht ganz aufgeklärt worden, doch sie verstarb entweder während oder nach einem Angriff der Nazis 1933.
Aus ihrer Geschichte und zu vielen anderen Geschichten ziehen wir eine überlebenswichtige antifaschistische Konsequenz.

Wir trauern heut um jene, welche auf Grund von Transfeindlichkeit unter Armut leiden oder auch durch Armut starben. Durch die noch immer anhaltende Kriminalisierung von trans Menschen in manchen Ländern, aber auch die strukturellen Folgen von Transfeindlichkeit in Deutschland und in aller Welt, ist es trans Menschen oft verwehrt, sichere Arbeit zu bekommen oder Rückhalt von Familie und Freund*innen zu bekommen.

Dazu kommen noch die oft hohen Kosten die mit einer Transition einhergehen.
Wir ziehen aus diesem Missstand die Konsequenz, dass der Kampf gegen Transfeindlichkeit zusammen mit dem Kampf gegen wirtschaftliche Ausbeutung und Armut geführt werden muss.

Wir trauern heute um jene, welche nicht die medizinische Versorgung bekommen haben, die sie benötigten. Sei es psychische Unterstützung um mit Dysphorie oder Gewalterfahrungen umzugehen, oder medizinische Unterstützung im Zuge einer Transition. Zu oft ist diese Versorgung auf Grund von Gesetzen oder Armut uns verwehrt.

Wir trauern heute auch um jene, deren Namen wir nie erfahren haben.
Wir trauern um jene, welche von uns gegangen sind, aus egal welchen Gründen.

Wir sind hier um an alle unsere Geschwister zu denken und zusammen für eine Welt zu kämpfen in welcher wir keine Transfeindlichkeit erleiden müssen.

Wir kämpfen für eine Welt in welcher unsere Flagge nicht immer aus Trauer auf Halbmast wehen muss.

Lasst uns gemeinsam für diese Welt kämpfen.
Aber lasst es uns nach dem heutigen Tag tun, weil wir nun zusammen trauern wollen.

Wir gehen nun dazu über die Namen der Verstorbenen seit dem letzten Trans Day of Remembrance vorzulesen. Wir bitten euch aus Respekt währenddessen leise zu sein. Die Liste ist leider viel zu lang. Wir verstehen es wenn ihr nicht bis zum Schluss bei uns bleiben könnt.

Aus Gründen der Länge werden die Namen hier nicht aufgelistet. Sie sind aber nachzulesen unter: https://tdor.translivesmatter.info