TransAction Rede 1 – Rainbow Kapitalismus

Wir sind heute aus mehreren Gründen hier: nicht nur ist der Juni der so genannte Pridemonth, sondern wurde vor einem Monat im Bundestag gegen das Selbstbestimmungsgesetz gestimmt. Dazu kommen die fast alltäglichen Probleme, die wir als queere Personen erleben.

Wenn sich Person im Juni auf Social Media etwas umschaut, dann sieht mensch sehr schnell, dass viele Profilbilder von großen Unternehmen mit einem Regenbogen, oder manch einmal auch mit einer trans Flagge versehen wurden. Und mensch könnte naiv zuerst davon ausgehen, dass diese Unternehmen sich nun auch endlich öffentlich für die Rechte von queeren Menschen einsetzen würden. Doch leider sind diese Profilbilder meistens im Juli wieder verschwunden. Und wenn mensch die Profile von internationalen Unternehmen untereinander vergleicht, dann fällt auch schnell auf, dass die Regenbögen nur bei Profilen zu finden sind, die in Europa, Nordamerika oder Australien vertreten sind. Ableger der gleichen Unternehmen in zum Beispiel Saudi-Arabien oder Russland wurden nicht mit Regenbögen versehen. Wenn mensch nicht wüsste was den Regenbogen-Kapitalismus ausmacht, dann wäre dies wirklich sehr verwirrend. Warum wird sich an manchen Stellen hinter die queere Community gestellt, an anderen Stellen aber nicht? Die Antwort ist leider sehr ernüchternt wie aber auch heuchlerisch: Die Vermarktung als queer-freundlich ist leider nicht überall profitabel.

Ich finde es äußerst respektlos, aber auch verletzend, wenn meine Identität nur repräsentiert wird, wenn sie zur Vermarktung benutzt werden kann! Zudem muss ich sagen, dass ich es weiterhin äußerst respektlos finde, wenn meine Identität als Vermarktung benutzt wird von Unternehmen, die, ohne mit der Wimper zu zucken, queerfeindliche Staaten und Systeme nicht nur hinnehmen, sondern auch unterstützen. Egal ob Volkswagen und BMW, ob die Deutsche Bank und Thyssenkrupp, viele dieser Unternehmen, die sich im „Westen“ für queere Rechte die Mühe machen einen kleinen Post auf Social Media zu tätigen und ihr Bild zu ändern, produzieren und wirtschaften fröhlich weiter in Ländern, in denen queere Menschen in Gefängnissen sitzen oder ermordet werden. Diese Unternehmen interessieren sich nicht dafür, wie es um die Menschenrechte steht, in Ländern in denen sie aktiv sind, sondern sie Interessieren sich nur für ihren eigenen Profit. Das ist äußerst entwürdigend, verletzend und heuchlerisch!

Aber das ist leider auch nicht das einzige Problem mit dem Regenbogen-Kapitalismus. So ist es bei manchen Film- oder Serien-Produktionen häufig zu sehen, dass sie queere Charaktere zwar einbauen, aber ihnen nicht den Raum geben, eine echte und glaubhafte Rolle zu füllen. Die Identität wird als ein Aushängeschild behandelt und nichts weiter. Manch anderen Produktionsstellen sind noch schlimmer. So weigert sich zum Beispiel Disney bis heute queere Charaktere in Star Wars oder Marvel Filmen einzubauen, obwohl diesen von den vorherigen Autor*innen dort ein Platz gegeben wurde. Andere Produktionsstellen greifen queere Identitäten zwar auf, stellen diese aber in einem schlechten Licht dar, als Bösewichte oder krank. So wurde bei der Serie House, eine Serie über einen Arzt, welcher schwierige Fälle löst, ein asexuelles Paar von dem Arzt behandelt, da dieser Arzt nicht glauben konnte, dass Menschen keine sexuelle Anziehung verspüren könnten. Am Ende dieser Episode wurde es auch noch so dargestellt, dass die Asexualität durch ein körperliches Problem ausgelöst wurde und behandelbar sei. Das fürt dazu, dass bis heute immernoch asexuelle Identitäten nicht als legitim angesehen werden. Eine Studie aus dem Vereinigten Königreich zeigt auf, dass bis zu 10% aller befragten Asexuellen zu einer Konversionstherapie geraten wurde oder  sogar Opfer einer wurden, damit liegen sie vor anderen queeren Befragten. 

Mir, als eine nicht binäre und asexuelle Person, macht es Angst, wenn auf der einen Seite meine Flagge von Unternehmer*innen oder Politiker*innen in die Kamera gehalten wird, aber auf der anderen Seite sie nichts machen, um meine Identität zu respektieren oder zu schützen. Ich bin schon früh zu den Entschluss gekommen, dass wenn ich Schutz oder Geborgenheit, Respekt oder ein gutes Leben haben will, dass ich mich nicht auf Unternehmen oder Parteien verlassen kann, sondern selbst aktiv werden muss!

Im Nachhinein ist uns aufgefallen, dass es mindestens einen queeren Charakter im Marvel Cinematic Universe gibt. Trotzdem werden die Charaktere bei weitem nicht so repräsentiert wie es von den ursprünglichen Autor*innen geplant war.

Anmerkung von Alix von Schirp, Pressesprecherin von TransAction Dortmund