TransAction Rede 3 – Geschichte des TSG

Trigger Warnung: In dieser Rede werden §175, veraltete Begriffe und Nationalsozialismus erwähnt.

Auch wenn das TSG erst seit 40 Jahren besteht, gab es schon immer trans Menschen in Deutschland. So war die Zeit der 1920er in Berlin zwar alles andere als vergleichbar mit heute, doch es gab eine große, queere Subkultur.

Da das Leben und die Identiäten von trans Menschen oft zusammen gefasst wurden mit dem von Homosexuellen unter dem §175, wird es schwierig sein, sie voneinander zu trennen. Der §175 bestand zwischen 1872 und 1994. Er kriminalisierte in verschiedenen Versionen sexuelle Aktivitäten zwischen zwei Männern. Auch in den Zeiten von Weimar bestand der Paragraph, er durchging aber ein paar Änderungen. So wollte der Reichsjustizminister Gustav Radbruch (SPD) den Paragraphen Anfang der 20er streichen lassen. Dies kam leider nicht durch, stattdessen wurde der Paragraph 1925 sogar noch verschärft. 1929 sollte dann der Paragraph wieder abgeschafft werden, dies verlief sich dann aber in den Problemen der Weimarer Republik der 1930er.

Der Paragraph gab der Polizei die Möglichkeit, queere Bars zu durchsuchen und bekannte Homosexuelle, aber auch Personen, die nicht ihrem „Geschlecht“ entsprechend gekleidet waren, mitzunehmen. Natürlich wurde dies von der Polizei auch willkürlich angewendet; so stiegen die Verurteilungen nach 1924 an, weil bei dem Prozess eines Serienmördes herauskam, dass dieser auch homosexuelle Affären hatte.

Zu der Zeit von Weimar gab es das Institut für Sexualwissenschaften. Dieses wurde von Magnus Hirschfeld geführt und versuchte, queere Identitäten medizinisch zu legitimieren. So stellte Hirschfeld in Zusammenarbeit mit der Polizei Berlin Dokumente aus, die es Menschen ermöglichten, in der Öffentlichkeit legal die Kleidung zu tragen und sich zu präsentieren, wie sie es wollten. Der bekannteste dieser „Transvestiten Pässe“ wurde einer Person namens Katharina T. schon 1908 von Hirschfeld ausgestellt. Es ist leider nicht bekannt, welchen Namen diese Person für sich verwenden wollte, da der Antrag auf eine Namensänderung abgelent wurde. Der Pass ermöglichte es der Person in der Öffentlichkeit männlich zugeschriebene Kleidung zu tragen, da andere Kleidung dem Wohlergehen schaden würde. Es wurden nicht viele dieser Pässe ausgestellt, was man daran erkennen kann, dass sie alle handschrifftlich waren.

Magnus Hirschfeld war an vielen Geschichten von queeren Personen beteiligt. So auch an dem Leben von Dora Richter, die erste namentlich erwähnte trans Frau, welche sich einer kompletten geschlechtsangleichenden Operation unterzog. Sie verstarb 1933, im Alter von 42 Jahren, nachdem die Nazis das Institut für Sexualwissenschaften angriffen; ob sie bei dem Angriff selbst oder späterer Verfolgung starb, ist unbekannt. Die Nazis verbrannten alles, was sie im Institut fanden. Sämtliche wissenschaftlichen Arbeiten und Dokumente. Der §175 wurde weiter verschärft, damit alle „homosexuellen Handlungen“ kriminalisiert wurden und Tausende queere Menschen wurden in KZs deportiert. 

Der §175 wurde in der Version wie er unter den Nazis verschärft wurde, von der BRD weitergeführt. Bis 1969 eine Liberalisierung durchkam wurden in der BRD 50.000 Menschen verurteilt. Die Lockerung führten dazu, dass Sex ab 21 Jahren erlaubt war, aber Prostitution blieb weiter verboten.

Wir empfinden es als respektlos den Opfern gegenüber, dass dieser Aspekt im Geschichtsunterricht wenn überhaupt nur einen Nebensatz bekommt! Wir ziehen aus der Geschichte die Haltung, dass unser Kampf gegen Queerfeindlichkeit auch antifaschistisch sein muss und dass wir es niemals hinnehemen dürfen, dass von Rechten Gruppen, Konservativen oder der Polizei Gewalt gegenüber queeren Personen ausgeübt wird! Für ein befreites Leben müssen wir gemeinsam gegen Diskriminierung und Unterdrückung kämpfen!