TransAction Rede 2: Transfeindlichkeit

Trigger Warnung: In dieser Rede wird Transfeindlichkeit besprochen.

Der Queer-Community wird nicht selten vorgeworfen, Probleme zu erschaffen, die es nicht gäbe. Mit der „Ehe für alle“ hätten queere Menschen doch absolute Gleichstellung erreicht. Alles andere wären „Sonderrechte“ und nicht nötig. Leider ist dem nicht so. Das merken queere Menschen Tag für Tag. Ich wünschte, ich könnte sagen, ich wäre nur wütend, doch ich bin auch betroffen. 

Transfeindlichkeit erleben wir auf allen Ebenen: Ein Coming Out ist nie leicht, doch dem engsten Bekanntenkreis die eigene Identität offen zu zeigen erfordert Überwindung. Dabei sind besonders junge Menschen abhängig von ihrer Familie und deren Akzeptanz. Fehlende Akzeptanz kann sich von Ignoranz, über Konversionsversuche bis zum Rausschmiss äußern. Fällt dann noch der Freundeskreis weg, sitzt man schnell alleine da. 

Es bleibt dabei nicht beim engsten Kreis der Bekannten. Auf der Straße, auf der Arbeit, in der Schule, im Internet werden trans Menschen mit unangebrachten Kommentaren oder Fragen konfrontiert. In den meisten Fällen ist das harmlos, doch als trans Person läuft man auch immer Gefahr ins Kreuzfeuer von Hassgruppen, z. B. sogenannter TERFs zu laufen. Diese vertreten einen angeblich feministischen Hass auf trans Menschen, in welchem sie trans Frauen als „Männer in Kleidern“ darstellen, welche nur darauf aus seien, cis Frauen zu schaden. Erfahrungen aus andern Ländern, die bereits ein Selbstbestimmungsgesetz haben zeigen, dass dies eben nicht zu weniger Schutz von cis Frauen führt und die Horrorszenarien der TERFs der Realität nicht standhalten. Auch Faschist*innen sind uns, neben anderen unterdrückten Gruppen, feindlich gesinnt: sie sind oft gewaltbereit, besonders häufig trifft es dabei trans Frauen oder von den Täter*innen als solche gelesene nichtbinäre Personen. Bei transmaskulinen Personen äußert sich Transfeindlichkeit anders: Wir sind unsichtbar. Ob es besser ist als Witzfigur oder gewalttätig dargestellt zu werden, als gar nicht, ist natürlich fraglich. Leider kommt Transfeindlichkeit auch gerade in unserer Community vor, in der man sich eigentlich sicher vor ihr wähnt. So werden nichtbinäre Personen, trans Personen, die sich nicht geschlechterrollenkonform verhalten, oder trans Personen, die nicht medizinisch transitionieren wollen von einer kleinen, aber lauten Minderheit von trans Menschen delegitimiert und ihnen vorgeworfen, sie würden bloß einem Trend hinterherlaufen und „echte“ trans Menschen schlecht aussehen lassen.

Wir wachsen in dieser Gesellschaft auf, mit all ihren Normen und Vorurteilen. Wir nehmen diese auf, und sie richten sich gegen uns selbst. Die Angst, zu sehr aufzufallen, „zu queer“, zu klischeehaft, „zu trans“ zu sein. Das Gefühl von Schuld, das Gefühl, seine Familie enttäuscht zu haben. Sich in einer feindlich gesinnten Umgebung zu outen kann lebensgefährlich sein- es nicht zu tun auch. Täglich wird man damit konfrontiert, dass die eigene Lebensrealität nicht mit der Wahrnehmung anderer übereinstimmt, auch das ist belastend. 

Wenn der Name im Personalausweis nicht zum gelesenen Geschlecht „passt“ muss man sich entweder selbst misgendern, also dem falschen Geschlecht zugeordnen, oder ist gezwungen, sich zu outen. Um dieses Dilemma zu vermeiden, könnte es ein simples Verfahren geben, um den rechtlichen Vornamen und Personenstand, bzw Geschlechtseintrag zu ändern. Eine rein bürokratische Angelegenheit, die trans Menschen aber unheimlich helfen könnte. Klingt logisch? Nun, bisher müssen Menschen, die eine solche Änderung vornehmen möchten den komplizierten und teuren Weg des TSGs gehen. Eine Vereinfachung, die bspw. durch ein Selbstbestimmungsgesetz geschehen könnte, wird von den Regierungsparteien momentan abgelehnt. 

Was also tun? Bundestagsabgeordnete haben jetzt die Möglichkeit ihre Versprechen einzuhalten und für queere Rechte einzustehen. Als Einzelperson könnt ihr Freund*innen unterstützen und für sie da sein. Seid sensibel für Transfeindlichkeit, auch wenn ihr selbst darauf hingewiesen werdet. Wir alle wachsen in einer transfeindlichen Gesellschaft auf, doch es ist an uns, diese zu transformieren.