TransAction Rede 1: Auf der Straße, gegen das TSG! Für die Selbstbestimmung!

Wir stehen heute hier, da im Bundestag gleich über unsere Rechte, über unsere Freiheit und unsere Würde abgestimmt wird. Das Transsexuellengesetz reguliert schon seit 40 Jahren das Leben von trans Menschen in Deutschland. Es beinhaltet viele Probleme und ist transfeindlich.

Im Bundestag haben die Fraktionen der Grünen, der FDP und der Linken  Gesetzesentwürfe eingebracht, die das TSG durch ein Selbstbestimmungsgesetz ersetzen sollen. Das Selbstbestimmungsgesetz sieht es vor, dass trans Menschen nicht mehr über Jahre hinweg auf Gutachten und Gerichtsurteile warten müssen, um den richtigen Vornamen- und Geschlechtseintrag zu bekommen. 

Ich darf hier mal kurz aus meiner eigenen Perspektive vom TSG berichten. So muss ich zu Anfang sagen, dass ich als eine nicht binäre Person ein anderes Verhältnis zum TSG habe, als z.B. eine binäre trans Person. So ist für meine Identität kein Weg vorgesehen TSG konform eine Transition anzufangen. Diese sind laut dem TSG nämlich nur von dem „einen“ Geschlecht zu dem „anderen“ möglich. Wenn ich also den Weg des TSGs gehen wollen würde, müsste ich mich als ein Geschlecht ausgeben, welches ich nun mal nicht bin. 

Weiterhin sind die Fragen, die man bei Gutachtern beantworten muss, um ein nötiges Gutachten zu bekommen, sehr sexistisch und übergriffig. So müssen trans Männer zum Beispiel davon reden, dass sie als Kinder schon immer mit Autos spielten und Fußball mochten, nur damit ihnen der Gutachter glauben schenkt, dass sie ein Mann sind. Trans Frauen müssen dann natürlich von Puppen und Pferden erzählen. Somit werden trans Menschen, die den Weg des TSGs gehen, gezwungen ein stark sexistisches Rollenbild aufrecht zu erhalten.Weiterhin werden Fragen zum Sex-Leben gestellt, wie oft trans Menschen masturbieren, ob sie Unterwäsche des „anderen“ Geschlechts gerne tragen und es soll teilweise auch überprüft werden, ob die trans Personen pädophil seien. Außerdem werden Fragen zur Sexualität gestellt, als hätte diese etwas mit der Identität zu tun.

Diese Fragen können nicht umgangen werden, wenn eine Person ein Gutachten haben möchte. Weiterhin braucht es zwei dieser psychologischen Gutachten, von unabhängigen Gutachtern, das einzige Verfahren in Deutschland, dass es so verlangt. Dazu kommt noch, dass diese Gutachten nicht von den Krankenkassen übernommen werden, also auch mehrere hundert Euro kosten können.

Es gibt noch sehr viele andere Probleme mit dem TSG, zu viele um sie alle aufzuzählen. Aber grundlegend ist es inakzeptabel, dass es Gerichte und Gutachten braucht, um den richtigen Namen und das richtige Geschlecht auf dem Ausweis stehen zu haben.

Wir wollen uns hier aussprechen für die Reform der Grünen, FDP und Linken. Das Selbstbestimmungsgesetz soll damit Schluss machen, diesen entwürdigenden und langen Weg des TSGs gehen zu müssen. So soll nach aktueller Form die Änderung des Vornamens und des Personenstandes so aussehen, dass betroffene trans Menschen zum Standesamt gehen, um eine Erklärung bezüglich ihres Vornamen und Personenstand abgeben. So einfach. Es würde dazu führen, dass trans Menschen nicht mehr angwiesen sind, auf Gerichte und Verfahren, sondern frei selbst bestimmen können.

Der Haken ist nur, dass es bis jetzt so aussieht, als würde die SPD, trotz eigenem Wahlprogramm, diese Reform nicht unterstützen. Somit ist der SPD die Koalition wichtiger als trans Menschen, obwohl die Koalition in 4 Monaten sowieso aufgelöst wird. Diese respektlose und transfeindliche Haltung werden wir nicht wort- und tatenlos einfach hinnehmen. Deshalb sind wir hier! Auf der Straße, gegen das TSG! Für die Selbstbestimmung!