TransAction-Rede: Queerer Aktivismus

Ich habe keinen Bock mehr! Um so mehr ich mich mit der Geschichte von queeren Aktivismus befasse, um so wütender werde! Ich werde wütend, weil ich immer mehr lernen muss, dass wir viel unserer eigenen Geschichte vergessen haben. Viele Gruppen sind in Vergessenheit geraten und ich bekomme immer häufiger das Gefühl, dass queer-feministische Gruppen heutzutage alleine da stehen.

Ich habe euch auf unserer ersten Kundgebung von ein paar einzelnen queeren Leuten erzählt. Von Magnus Hirschfeld, von Dora Richter, davon wie nach dem Krieg der §175 weiter benutzt wurde und davon, dass all das eigentlich ein Teil des Geschichtsunterrichts sein sollte, oder wenigstens, dass es nicht mehr totgeschwiegen wird was mit unserer Community passiert ist! Ich habe an Stonewall erinnert und auf dem CSD vor einer Woche habe ich darum gebeten, dass Pride politisch bleiben soll.

Aber ich habe nicht über Aktivismus geredet, welcher nach Stonewall stattfand, weil ich selbst noch lernen musste, was alles passiert ist.

Im Monat nach Stonewall, Juli 1969, gründete sich die Gay Liberation Fornt. Viele ihrer Mitglieder waren bei der Straßenschlacht selbst dabei und wollten das Momentum aufrecht erhalten. Sie organisierten Demos und solidarisierten sich mit den Anti-Rassismus und Anti-Kapitalismus Bewegungen der Zeit.

Queere Aktivismus in den USA, England, aber auch hier war immer Laut und Präsent. Heute sieht man kaum was davon. Die Gay Liberation Front hat vor fast genau 50 Jahren in England ein Festivals von Fundermentalen Christ*innen gestört, indem sie in Drag aufgetaucht sind und dort einander küssten. Sie haben in den USA gegen konservative Zeitungen demonstriert, woraufhin die Mitarbeiter bei der Zeitung sie mit lilaner Farbe übergossen. Der Protest hatte das genutzt in dem sie ihre Handabdrücke in der ganzen Stadt hinterliesen.

Die GLF hatte sich in Köln gegründet und dort Orte erkämpft, welche zur Beratung von queeren Leuten bereitstanden. Sie stellten sich in die Öffentlichkeit um dort sich zu ihrer Identität zu bekennen, statt sie zu verstecken. Sie gaben in der „Rosa Kulturwoche“ queeren Künstler*innen eine Plattform und haben eine Trauer-Veranstaltung organisiert um den durch die Nazis ermordeten zu gedenken.

Sie Organisieten 1993 einen der größten CSDs mit 30000 Teilnehmenden. Manche queere Bewegungen hatten auch einfach keinen Bock sich in die Hetero-Cis-Normative Gesellschaft zu integireren. Sie wollten sie selbst sein; Sie kämpften für ihre Rechte auf der Straße.

Als ich vor zwei Jahren beim Regenbogenfahne Hissen der Stadt Dortmund auf dem Friedensplatz stand, habe ich der Rede von Ulrich Sierau zugehört. Er erwähnte Stonewall, er sagte, dass der Aufstand angesichts der Repressionen verständlich war, aber dass wir sowas heutzutage ja nicht mehr nötig hätten; dass wir sowas heutzutage nicht akzeptieren dürften.

Ich finde, dass er damit nicht recht hat. Bei all den Schmerzen die wir erleiden, der Erniedrigungdurch Gutachten und bei all dem trans-feindlichen Mist den wir erleben müssen, sollten Parteien wie die SPD froh sein, dass bis jetzt nur eine Fensterscheibe zu bruch ging!

Queere Menschen leiden vermehrt unter Armut und Gewalt. Wir leiden wegen Gesetzen wie dem TSG, aber auch wegen einer Gesellschaft die uns am liebsten weg denken würde.
Unsere Antwort darauf ist politischer Aktivismus! Wir sollten uns in Gruppen und Gewerkschaften organisieren und gemeinsam gegen Armut auf die Straße gehen. Wir müssen als Community einander Halt geben und da sein, wenn wir angegriffen wurden. Aber vor allem: Laut auf der Straße zu uns und unserer Identität stehen!

Ich mag noch aus dem Film „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt“ zitieren, welcher 1971 erschienen ist:

Wir wollen keine anonymen Vereine! 
Wir wollen eine gemeinsame Aktion, damit wir uns kennenlernen und uns gemeinsam im Kampf für unsere Probleme näherkommen und uns lieben lernen.
Wir müssen uns organisieren.
Wir brauchen bessere Kneipen, wir brauchen gute Ärzte, und wir brauchen Schutz am Arbeitsplatz.
Werdet stoz auf eure Homosexualität!
Raus aus den Toiletten, rein in die Straßen!
Freiheit für die Schwulen!

Aus dem Film „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt“