TransAction Rede – Feministischer Kampftag

Triggerwarnung: Dysphorie

Hallo. Ich bin Lio von Trans*Action Dortmund und bin eine nicht-binäre Person. Wenn ich an den heutigen Tag denke, denke ich vor allem daran, dass trans Personen, egal ob nicht-binär oder binär oder auch inter Personen, immer noch aus vielen feministischen Kämpfen ausgeschlossen werden. Doch dieser Tag heute soll all den Leuten, die von der Unterdrückung durch das Patriarchat betroffen sind, eine Stimme geben. Ja, auch trans Personen sind wie cis Frauen, Betroffene.

Ich möchte diese Rede dafür nutzen, um euch von den Problemen zu erzählen, die ich mit vielen anderen nicht binären Personen teile.

Wenn ich an das Demo-Thema denke, „respect every body“, löst es in mir Unwohlsein aus, weil ich genau weiß, dass ich als nicht-binäre Person in dieser Gesellschaft nicht unterstützt werde.

Für mich gibt es keinen Leitfaden, wie eine Transition aussehen kann, aussehen soll. Denn in Deutschland ist es nur möglich, das Geschlecht an „Mann“ oder „Frau“ anzugleichen. Meine Identität ist offiziell gar nicht vorgesehen. Für mich gibt es oft keine Möglichkeit, auf eine genderneutrale Toilette zu gehen und ich muss mich immer für das eine oder das andere Geschlecht entscheiden. Sowas löst Dysphorie in mir aus. Dysphorie ist das Gegenteil von Euphorie, ich fühle mich schlagartig unwohl, vor allem mit meinem Körper oder auch im sozialen Umfeld.

Ich fühle mich oft unwohl mit meinem Körper, und das ist nichts, was ich so schnell ändern kann. Hierbei geht es nicht um „body positivity“ oder um ein allgemeines Schönheitsempfinden, sondern um das Gefühl, gefangen zu sein. Es ist verdammt schwer, an geschlechtsangleichende Vorgehen zu kommen, deshalb werde ich noch eine ganze Weile gefangen sein. 

Ich möchte in keine Kategorie gesteckt werden, ich will nicht weiblich gelesen werden, ich will nicht männlich gelesen werden, weder mit „Herr“, noch mit „Frau“ angesprochen werden. Ich bin einfach Lio. Doch warum versteht die Gesellschaft das nicht? Warum versteht ihr nicht, dass wir das Geschlecht (Identität, Ausdruck) haben, was wir euch sagen? Warum stellt ihr uns Fragen, die ihr niemals einer cis Person stellen würdet? Wieso fällt es euch immer noch so schwer uns und unser Gender zu respektieren? Warum denken cis Feministinnen, dass, wenn du Vulva-Cupcakes backst, automatisch alle mitgemeint sind? Ich glaube nicht, dass die meisten trans Personen damit gemeint sind…

Nicht-binäre und andere trans Personen sollten immer in den feministischen Kampf mit eingebunden werden. Cis Personen (Frauen) sollten genauso für uns kämpfen, wie wir für sie kämpfen. Wir nehmen an diesem Tag (heute) keiner cis Frau den Platz weg, wir kämpfen den selben Kampf. Ja, wir existieren, auch wenn es uns abgesprochen wird. Nur wir können darüber entscheiden, wer wir sind, und keine andere Person, kein psychologisches Gutachten, kein Transsexuellengesetz.

Wir wollen selbstbestimmt leben. Informiert euch, bildet euch. Und fragt, aber hinterfragt uns nicht.  Hinterfragt stattdessen eure Privilegien als cis Personen. Eure Passing Privilegien. Respektiert verdammt nochmal unser Gender!

Meine letzte Aussage gilt den trans Personen, die heute hier vor Ort sind: ihr seid nicht allein! Ihr seid nicht allein mit eurer Identität. Trans Personen gab es schon immer. Trans Sein ist keine Phase. Kommt auf uns, auf mich und trans Action Dortmund zu! Organisiert euch! Gemeinsam sind wir stark!